Etwa 8 % der Menschheit weltweit leidet an Hunger. In Deutschland sind 21 % der Bevölkerung armutsbedroht. Allein die Vorstellung dieser Zahlen lösen einen überfordernden Gefühlszustand aus, befeuert von der Verzweiflung. Auch der Konsum von Nachrichten löst Angstzustände aus, die zu einer verschwommenen Wahrnehmung der Wirklichkeit führen. Als Mittel zur Realitätserkennung zeigt das Werk das eigene Leid, das auf dem Leid anderer basiert. Dieses Leidnarrativ fungiert hier als Katalysator für Überforderung trotz Privilegien.
Die Arbeit „Leiden“ hinterfragt, ob Leid abgesprochen werden kann und inwieweit es gerechtfertigt ist, zu leiden, während andere Menschen offensichtlich größeres Leid durchleben, wie Tod, Hunger, Krieg, Obdachlosigkeit. Dementsprechend werden den eigenen Sorgen und dem persönlichen Leid eine niedrigere Relevanz zugeschrieben. Gleichzeitig suggeriert die Arbeit ein konstantes Ungleichgewicht zwischen Ängsten und dem Erkennen der eigenen Privilegien. Der expressive Zeichenstil und die Integration von Text in dem Werk unterstützen das Gefühl von Machtlosigkeit und Überforderung, denen betrachtende direkt ausgesetzt sind. Gefühle werden in Relation gesetzt, um neue Perspektiven zu entdecken, aber gleichzeitig auch den inneren Sorgen Raum zu geben, gehört und gesehen zu werden — auch wenn die Welt diese vielleicht nicht hören möchte.
Das Werk „Mitleid“ thematisiert die Anteilnahme am Leid anderer. Es fragt nach der Möglichkeit, ein glückliches Leben zu führen und es zur gleichen Zeit nicht egal ist, dass andere Menschenlebensgefährlichleiden müssen. Mitleid entsteht trotz der Abwesenheit von persönlichem, körperlichen Leid.
Das letzte Werk der Reihe trägt den Titel „Illusion“ und suggeriert ein Leid, welches ausschließlich mental auftritt, wodurch die Vorstellung von Leid entsteht. Es kann im Kopf stattfinden und muss dementsprechend nicht real sein. Trotz Ängsten und Sorgen bestehen Privilegien, die dazu beitragen können, ein Leben außerhalb dieser negativen Gedanken zu leben. Dieser komplexe Gefühlszustand präsentiert sich illusionsartig.

Mia Rabe, Leiden, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025

Mia Rabe, Mitleid, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025

Mia Rabe, Illusion, Graphit auf Papier, 70 x 100 cm, 2025